Euro-Krise: Was tun?

Verbraucher sollten sich nicht nur auf Ihren Bankberater verlassen

Die Dämme sind gebrochen: 750 Milliarden Euro wollen die Euro-Länder im Notfall den EU-Staaten zur Verfügung stellen, die durch ihre verfehlte Haushaltspolitik in eine extreme Schieflage geraten sind. Deutschland garantiert davon mindestens 123 Milliarden Euro. Die politische Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) existiert nur noch auf dem Papier. Seit die EZB begonnen hat, griechische Ramschanleihen aufzukaufen, finanziert sie den Staatshaushalt des Landes direkt. Die Folgen: Verfall des Außenwertes des Euro und steigende Inflationserwartungen.

Verbraucher sollten sich in dieser Situation nicht mehr auf die Beruhigungs-Appelle der Politik verlassen, sondern ihre Anlagestrategien überprüfen und anpassen. Auch ein gesundes Misstrauen gegenüber der Beratung durch die eigene Bank ist dabei durchaus angebracht. Zu sehr wurde im Vorfeld der Finanzkrise das Vertrauen der Kunden missbraucht.

Die Griechenland-Krise zwingt dazu, die Risikoverteilung im eigenen Portfolio prüfen. Sämtliche Berührungspunkte mit Griechenland und den gefährdeten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland und Spanien) sollten hierbei berücksichtigt werden. Alle Anlageklassen sind betroffen. Nicht nur Staatsanleihen aus diesen Ländern, sondern auch Aktien-, Renten- und Immobilienfonds könnten für die Anleger riskant werden.

Sicherheit: Bei den klassischen Anlageformen wie Tagesgeldkonten, Festgeld, Girokonto-Guthaben und Sparbriefen sorgt die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung in Höhe von 50 000 Euro wenigstens für Schutz vor dem schlimmsten denkbaren Fall: der Totalverlust des eigenen Geldes. Bei privaten Banken kommt darüber hinaus der Einlagensicherungsfond des Bundesverbands deutscher Banken hinzu. Schließlich hat die Bundesregierung zusätzlich noch eine eigene Zusicherung getroffen (Merkel-Garantie).

Von der Einlagensicherung nicht erfasst sind Aktien, Anleihen, Zertifikate, Genuss- und Optionsscheine und von Privatbanken herausgegebene Inhaberschuldverschreibungen. Inhaberschuldverschreibungen von Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind im Rahmen der jeweiligen Institutssicherung abgesichert.

Tagesgeld: Tagesgeld ist ein sichere Geldanlage, bei der man außerdem immer flexibel bleibt. Im Gegenzug zu dieser Sicherheit muss der Anleger aber zurzeit sehr niedrige Zinsen akzeptieren.

Festgeld: Beim Festgeld werden den Anlegern zurzeit keine attraktiven Zinssätze angeboten. Langlaufenden Verträge mit niedrigem Zinssatz lohnen deshalb zur Zeit nicht. Bei niedrigen Zinssätzen und steigenden Inflationsraten verlieren die Anleger.

Sparbriefe: Auch bei Sparbriefen bindet sich der Anleger in der Regel für längere Zeit. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus ist auch hier Zurückhaltung geboten - gerade wenn der Bankberater drängt.

Anleihen: Bei Anleihen deutet sich eine Verschiebung in der Gewichtung der Kreditwürdigkeit an. Während Staatsanleihen früher als die sicherste Anleiheform galten, sind jetzt Anleihen von sehr großen Unternehmen gefragt. Immer gilt: Je höher die Kreditwürdigkeit eingeschätzt wird, desto niedriger der Zinssatz. Gerade bei attraktiven Zinsen sollte man die Kreditwürdigkeit des Schuldners eingehend prüfen - keine erhöhten Renditen ohne erhöhtes Risiko. Kurzlaufende deutsche Bundesanleihen sind noch immer eine sichere Investition. Allerdings werfen sie nur eine geringe Rendite ab.

Inflationsgeschützte Anleihen: Wer an eine verstärkte Geldentwertung in den nächsten Jahren glaubt, kann als Depotbeimischung inflationsgeschützte Anleihen aufnehmen. Ihr Zins- und Rückzahlungsbetrag ist an die Inflationsrate gekoppelt. Wenn die Preisentwicklung während der Laufzeit des Wertpapiers höher als allgemein erwartet ist, sind die Anleger im Vergleich zu Käufern einer üblichen Anleihe besser dran. Jetzt ist auch eine inflationsgeschützte Bundesanleihe auf dem Markt (ISIN DE 000 103 050 0).

Währungsanleihen: Wer an einen weiteren Verfall des Euro-Kurses glaubt, sollte Währungsanleihen in sein Depot beimischen. Anleger, die einen Teil ihres Geld in US-Dollar anlegen, profitieren von Kurssteigerungen der amerikanischen Währung. Auch Anlagen in stabilen Schweizer Franken oder Norwegischen Kronen sind jetzt kein Fehler.

Sachwert schlägt Geldwert
Wie es mit dem Euro weitergeht, kann zurzeit niemand sicher voraussagen. Angesichts der Griechenland-Krise befürchten aber viele Beobachter, dass sich die Eurozone von einer Stabilitäts- in eine Inflationsgemeinschaft verwandelt. Wer mit künftig steigenden Inflationsraten rechnet, investiert jetzt in Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Edelmetalle.

Aktien: Mit Aktien erwirbt der Anleger einen Anteil an einem Unternehmen. Gefragt sind zurzeit die Aktien von Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen keinen erheblichen konjunkturellen Schwankungen unterliegen und die international aufgestellt sind. Hierzu zählen Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen und Pharmakonzerne.

Immobilien: Niedriege Zinsen machen Immobilienanlagen derzeit attraktiv. Allerdings gilt: Nie übereilt kaufen oder sich zu Kauf drängen lassen. Die Verluste durch den Kauf einer überteuerten Immobilie lassen sich auf sehr lange Zeit nicht wett machen.

Rohstoffe: Die Rohstoffpreise klettern weiter nach oben. Die positive Kursentwicklung ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Zurzeit sind vor allem Profizocker an den Rohstoffmärkten aktiv. Experten warnen jetzt schon vor einer möglichen Blase. Eine reale Preisentwicklung ist besonders schwer vorauszusehen. Für private Anleger sind Investitionen in Rohstoffe deshalb jetzt besonders riskant.

Gold gilt als der Inflationsschutz schlechthin und erreicht Höchststände. Das begrenztes Angebot und die leichte Handelbarkeit machen aus Gold nicht nur ein universelles Zahlungsmittel, sondern im Krisenfall auch einen Währungsersatz. Experten empfehlen den Anlegern, etwa zehn bis fünfzehn Prozent ihres Depotwerts in Gold zu halten. Die Hamburger Sparda-Bank bietet neuerdings ein Gold-Konto an, auf das sich die Kunden der Bank ihre Zinsen einzahlen lassen können: Nicht mehr als ein Webegag.

Private Rentenversicherung: Der Ökonom Bert Rürup sieht auch die private Altersvorsorge durch Griechenland-Krise gefährdet. Viele Euro-Rentenfonds haben nicht nur in griechische, sondern auch in portugiesische, spanische und italienische Staatsanleihen investiert. Staatsanleihen galten bislang als sehr sichere Anlage. Die drastische Abwertung Griechenlands auf Ramschniveau hat dies geändert. Der Anteil von griechischen Staatspapieren ist in den meisten Rentenfonds zwar relativ gering. Problematisch könnte es jedoch werden, wenn auch große Euro-Länder wie Spanien und Italien in den Abwärtssog geraten. Wenn Ratingagenturen deren Anleihen stark abwerten, müssten sie von den Fonds verkauft werden. Solch ein erzwungener Verkauf ist meist mit einer Wertminderung des Fonds verbunden.

Lebensversicherung: Laut Finanzaufsicht BaFin haben Deutsche Versicherer ungefähr 10 von 1200 Milliarden ihrer Kapitalanlagen in griechische Papiere investiert. Bei klassischen Renten- und Lebensversicherungen fließen die Sparanteile der Prämien in das Sicherungsvermögen. Es darf bis zu 35 Prozent aus Aktienanlagen bestehen, der größerere Teil wird in Anleihen angelegt. Darunter fallen auch Staatsanleihen unterschiedlicher Länder. Im unwahrscheinlichen Insolvenzfall übernimmt die Auffanggesellschaft der deutschen Lebensversicher (Protektor) die Verträge.